»Hochschule für Gestaltung: Ihr Aufgabenkreis umfasst jene Gestaltungsgebiete, welche die Lebensform unseres technischen und industriellen Zeitalters weitgehend bestimmen. Die Form der Geräte, mit denen wir umgehen, die Wohnung, die Anlage einer Siedlungseinheit, einer Stadt oder Region, das gedruckte und gesprochene Wort in Presse und Rundfunk, die Wirkung des Bildes in Publikationen, in der Werbung, in Ausstellungen und im Film bilden für die geistige Mentalität der Gesellschaft entscheidende Grundlagen.« (Exposé der Geschwister-Scholl-Stiftung, 1951)
Inge Aicher-Scholl und Otl Aicher, 1955
Den Ausgangspunkt für die Ausbildung bildet der einjährige Grundkurs. Nach diesem entscheiden die Studierenden, welche Fachrichtung er sich zuwenden will: Information, Visuelle Gestaltung (später Visuelle Kommunikation), Produktform, Architektur oder Stadtbau. All diese Abteilungen überschneiden und ergänzen sich hinsichtlich ihrer Arbeit und bilden gemeinsam einen geschlossenen Kreis. Die theoretischen Fächer Soziologie, Ökonomie, Politik, Psychologie und Philosophie ergänzen das Lehrangebot.
In den ersten Jahren lehrten an der HfG u. a. die Dozenten: Aicher, Albers, Bense, Bellmann, Bill, Curjel, Gugelot, Maldonado, Nonné-Schmidt, Peterhans, Pfeil, Portmann, Vordemberge-Gildewart und Zeischegg.
Max Bense, 1953
Max Bill im Unterricht, 1953
Walter Peterhans, 1953
In der Zeit zwischen 1956 und 1958 lehrten u. a.: Aicher, Bense, Bill, Fröshaug, Gugelot, Kesting, Leowald, Maldonado, Pfeil, Scheidegger, Staub, Vordemberge-Gildewart, Wachsmann und Zeischegg.
Hans Gugelot, 1956
Tomás Maldonado, 1955
Friedrich Vordemberge-Gildewart, 1955
(* Begriff nach dem Phasenmodell Otl Aichers. archithese 15, 1975.)
Studenten der Abteilung Information, 1958
Lehrkörper in der Zeit 1959 bis 1962 u. a.: Aicher, Doernach, Fröshaug, Gugelot, Kalow, Kesting, Leowald, Lindinger, Maldonado, Ohl, Rittel, Siol, Staub, Uittenhout, Vordemberge-Gildewart und Zeischegg.
(* Begriff nach dem Phasenmodell Otl Aichers. archithese 15, 1975.)
Leben an der HfG, um 1964
Zwischen 1962 und 1966 lehrten an der HfG u. a.:
Aicher, Bonsiepe, Doernach, Gugelot, Huff, Kalow, Lindinger, Maldonado, Ohl, Rittel, Schnaidt, Staub, Sugiura, Vordemberge-Gildewart und Zeischegg.
Herbert Ohl, 1963
Claude Schnaidt, 1963
Gui Bonsiepe, 1963
Kohei Sugiura, 1964
William S. Huff, 1963
Demonstration vor dem Stuttgarter Landtag, 1968
(Margit Weinberg Staber, ehem. HfG-Studentin)
Ausbildungsschema für die Hochschule für Gestaltung, 1951
1. April. Max Bill wird erster Rektor.
29. April. Der Landeshaushalt Baden-Württemberg wird im Plenum des Landtages verabschiedet. Darin enthalten sind auch 800.000 DM für den laufenden Unterhalt der HfG für 3 Jahre.
3. August. Der Lehrbetrieb beginnt mit einem Grundkurs von Walter Peterhans.
8. September. Baubeginn auf dem Gelände am Oberen Kuhberg.
Plakat, 1954
5. Juli. Richtfest der HfG.
31. Juli. 1100-Jahrfeier Ulm. Otl Aicher und Studenten der HfG gestalten Plakate und Drucksachen.
Ausstellung »Gutes Spielzeug« im Ulmer Museum.
HfG-Gebäude, 1955
Erster Unterricht im Gebäude am Oberen Kuhberg.
Juli. Landesausstellung in Stuttgart. Der Pavillon der Stadt Ulm wird von Max Bill zusammen mit Otl Aicher und Friedrich Vordemberge-Gildewart entworfen.
August. Deutsche Rundfunk-, Fernseh- und Phonoausstellung in Düsseldorf. Die Firma Braun erregt mit ihren modernen, an der HfG unter der Leitung von Hans Gugelot entworfenen Phonogeräten großes Aufsehen.
2. Oktober. Offizielle Einweihung der Hochschulgebäude auf dem Oberen Kuhberg. Walter Gropius hält die Eröffnungsrede. Ausstellung von HfG-Produkten im neuen Gebäude.
März. Max Bill tritt als
Rektor der HfG zurück. Die Leitung der Hochschule übernimmt ein Rektoratskollegium, dem Otl Aicher, Tomás Maldonado, Hans Gugelot und Friedrich Vordemberge-Gildewart angehören.
HfG-Hocker, 1955
Max Bill verlässt die HfG wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten über den pädagogischen Aufbau und das Lehrprogramm der Schule.
6. Juli. Eröffnung der Internationalen Bauausstellung in Berlin. Unter der Leitung von Hans Gugelot stattet die HfG zwei Musterwohnungen aus.
SK 4, 1956
Juli. Grand Prix der XI. Triennale Mailand für acht Produkte der Max Braun AG Frankfurt, an deren Gestaltung Hans Gugelot und Otl Aicher maßgeblich beteiligt waren.
Oktober. Werkbundtagung SWB und DWB Baden-Württemberg
Oktober. Ersterscheinen der HfG-Zeitschrift »ulm«.
Ausstellung zum 5-jährigen Bestehen der Hochschule in der Mensa des HfG-Gebäudes.
Es erscheint die Broschure »Selbstdarstellung HfG«.
Ausstellung 1958
Erste Rundfunk- und Fernsehsendungen über die HfG.
Juli. HfG-Ausstellung Triennale Mailand.
Aufbau und Entwicklung des Sektors Film innerhalb der Abteilung Visuelle Kommunikation.
Vorträge von HfG-Dozenten beim Weltkongress für Design in Tokio.
Anteil der weiblichen Studenten ca. 12 %.
Anteil der ausländischen Studenten ca. 40 %.
Ersterscheinen der HfG-Studentenzeitung »output«.
Spezialisierung der Grundlehre. Kulturpreis des Bundesverbandes der Deutschen Industrie an Hans Roericht für die Diplomarbeit »Gestaltung eines Hotelgeschirrs«.
TC 100, 1959
Eine neue Verfassung für die HfG tritt in Kraft, das Rektoratskollegium wird abgelöst durch einen Rektor. Diese Funktion übernimmt Otl Aicher.
Studentenwohnheim, 1961
Plakat zur Ausstellung, 1963
HfG-Wanderausstellung in Stuttgart und Ulm.
Es erscheint der »Katalog einer Wanderausstellung«.
Ausbau des Sektors Film/Fernsehen.
März. Heftige Angriffe gegen die Hochschule in der Presse. Der Landtag legt ein 10-Punkte-Ultimatum vor, andernfalls sollen die Zuschüsse gestrichen werden. Die HfG entspricht den Auflagen.
Die Broschüre »Information 63« erscheint.
Wanderausstellung der HfG in der Neuen Sammlung München.
Plakate »paix et amitie«, 1964
HfG-Wanderausstellung im Stedelijk-Museum Amsterdam.
Gitterorientierte Schalenflächen
Walter Zeischegg
1963-65
Zur IAA in Frankfurt präsentieren zwei ehemaligen HfG Studenten mit Autonova »fam« einen neuen Fahrzeugtyp.
Die Geschwister- Scholl-Stiftung ist hochverschuldet.
Autonova »fam«, 1966
Otl Aicher verlagert seine Entwicklungstätigkeit nach München. Beginn der Arbeit für das Erscheinungsbild der Olympiade München 1972.
Die Filmabteilung macht sich selbständig als Institut für Filmgestaltung.
Der Landtag fordert die Angliederung der HfG an die Ingenieurschule. Die Bundeszuschüsse werden gestrichen, die finanzielle Situation ist unhaltbar.
Stapelbarer Aschenbecher, 1967
Oktober. Die HfG-Dozenten lehnen wegen unzureichender finanzieller und personeller Voraussetzungen die Aufnahme eines regulären Studienbetriebs ab. Der Rektor teilt mit, dass Mittel und Planstellen für einen ordnungsgemäßen Lehrbeginn nicht mehr vorhanden seien.
November. Das Kabinett des Landtags fasst den Beschluss, die Zuschüsse für die HfG zu streichen. Der Hochschulbetrieb wird daraufhin eingestellt.
Bushaltestelle, 1968